Wenn jeder dritte Betrieb Stellen streicht – 5 Learnings für Berater/innen
Laut einer aktuellen Umfrage des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) planten rund 36 % der deutschen Unternehmen, in diesem Jahr Stellen zu streichen – in der Industrie sind es sogar über 41 % (DIE ZEIT). Gleichzeitig bleibt das Wirtschaftswachstum mit ca. 1,3 % sehr moderat (DIE ZEIT).
Für uns als Berater/innen heißt das: Die Rahmenbedingungen verändern sich massiv – und wir müssen unser Beratungshandeln entsprechend anpassen.
Als Trainer/innen im Bereich Unternehmensberatung begleiten wir regelmäßig Fach- und Führungskräfte in Weiterbildungen. Hier sind fünf zentrale Learnings, die wir aus den aktuellen Entwicklungen ableiten – mit Blick darauf, wie wir Beratung so gestalten sollten, dass Unternehmen auch unter Druck handlungsfähig bleiben.
1. Frühwarnsysteme statt: „Wir haben es nicht kommen sehen“
Wenn ein Drittel der Betriebe Personal abbauen wollen, spricht das für erhebliche Unsicherheit in vielen Unternehmen. Als Berater/innen müssen wir darauf vorbereitet sein, diese Unsicherheiten früh zu adressieren:
- Wo entstehen Kosten- und Investitionsdruckpunkte?
- Welche Szenarien könnten eintreten?
- Wie lässt sich Resilienz aufbauen?
Mehr denn je geht es darum, nicht nur auf Symptome zu reagieren, sondern Unternehmen proaktiv aufzustellen – beraten heißt hier auch: Werte sichern + Zukünfte gestalten.
2. Investitionen prüfen – nicht automatisch kürzen
Die Umfrage zeigt, dass nur 23 % der Unternehmen planen, ihre Investitionen auszubauen – 33 % hingegen wollen sie kürzen (DIE ZEIT). Für Berater/innen heißt das: Wenn Investoren- oder Geschäftsleitungen Investitionsstopps erwägen, sind wir gefragt, Investitionen smarter zu strukturieren – also:
- Welche Investitionen schaffen echten Mehrwert?
- Wie lassen sich Investitionen modularisieren („kleiner starten“)?
- Wie lässt sich der Return-on-Investment (ROI) klarer darstellen?
Beratung lässt sich hier als strategischer Sparringspartner positionieren: nicht nur Kürzen, sondern intelligent investieren.
3. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit fördern
Die Vielfalt der regionalen Geschäftserwartungen ist groß: Beispielsweise herrscht im Nordosten stärkere Pessimismus als in Bayern (DIE ZEIT). Das reicht bis in einzelne Branchen hinein, z. B. in der Industrie mit deutlich höheren Abbau-Absichten.
Für Berater/in bedeutet das: Standardlösungen greifen nicht mehr. Wir müssen Branchen-, regions- und unternehmenseigenspezifisch denken – und agile Modelle anbieten. Beratung wird weniger „Ein Konzept für alle“, sondern mehr „Ein Rahmen, viele Varianten“.
4. Personalstrategie wird zur strategischen Achse
Stellenstreichungen deuten darauf hin, dass Personal- und Kompetenzmanagement Druck bekommen. Als Berater:innen sollten wir dabei helfen, Personalstrategien mit Zukunftsorientierung zu gestalten:
- Wo bleiben Schlüsselkompetenzen vorhanden?
- Welche Rollen sind kritisch?
- Wie können Unternehmen Kompetenzen intern entwickeln statt nur extern einkaufen?
Ein gutes Angebot richtet sich nicht nur an Prozesse oder Technologie, sondern auch an Menschen – Kompetenzportfolio statt nur Kostenstruktur.
5. Werte schaffen – auch in schwierigen Zeiten
Wenn Wachstum gering bleibt und Investitionen zurückgehen, wird der Druck, Werte zu schaffen, größer. Beratung darf hier nicht nur Kostenoptimierung sein, sondern Wertorientierung:
- Welche Bereiche bieten Zukunft?
- Wo entsteht Wert durch Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder neue Geschäftsmodelle?
- Wie wird Beratung zur Treiberin von Transformation, nicht nur zur Reaktion auf Krisen?
Gerade hier liegt ein Feld für Berater/innen, die sich als Partner für strategische Weiterentwicklung positionieren.
Fazit
Die aktuellen Umfrage-Daten zeigen deutlich: Es ist nicht die Zeit für Routineberatung. Stattdessen brauchen Unternehmen und damit auch wir als Berater/innen ein neues Set an Instrumenten: Frühwarnsysteme, modulare Investitionsmodelle, flexible Beratungsmethoden, strategisches Personalmanagement und Wertschöpfung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen.

