Jonas Lang (35) ist gelernter Bauingenieur und seit zehn Jahren im Baukonzern bzw. Baudienstleiter unterwegs. Sein Werdegang startete im Maschinenbau und ging dann ins Bauingenieurwesen über, um, wie er sagt, beruflich nochmal neu anzufangen. Und dies tut er jetzt seit zehn Jahren in Konzernstrukturen. Letztes Jahr ging er dann den entscheidenden Schritt: die erste Selbstständigkeit.
Das ist der zweite Teil unseres Interviews. Den ersten findet ihr hier: LINK
Kompakt IHK:
Im Gespräch formulierst du, wie wohl du dich auf der Arbeit fühlst. Woher kommt der Wunsch – trotz Zufriedenheit im Unternehmen – jetzt in die Selbstständigkeit zu gehen?
Jonas Lang:
Wenn ich zurückdenke, war da stets dieser Wunsch nach unternehmerischer Tätigkeit. Die erste Tätigkeit in meinem Leben muss so Ende der 90er gewesen sein. Meine Eltern wollten verblühte Disteln abschneiden und wegschmeißen, aber ich fand diese Kugeln viel zu schön zum Wegwerfen.
Und dann habe ich mich am Vormittag mit Tisch und Stuhl bei uns an die Straße gesetzt und wollte dort Distelsamen verkaufen. Das hat sich allerdings als nicht so erfolgreich herausgestellt, weil das Haus meiner Eltern in einer Sackgasse liegt und wirklich viele Leute kamen nicht vorbei.
Eigentlich wollte ich das also immer irgendwie machen. Nach dem Studium hatte ich den Gedanken einer Selbstständigkeit erstmal zur Seite gelegt, weil mir klar war, dass das nicht der einfachste Weg sein würde und Berufserfahrung das A und O ist. Das haben mir auch alle um mich herum geraten: „Arbeite erst mal, guck und dann entscheide“.
Jetzt arbeite ich knapp fünf Jahre in einem Konzern und brauche eine Veränderung.
Kompakt IHK:
Mit all der Berufserfahrung und deiner Masterarbeit im Rücken öffnest du dein eigenes Ingenieurbüro für bausachverständige Tätigkeit, spezialisiert auf Versicherungsschäden.
Jonas Lang:
Mein Argument war immer „Du musst nur eine Nuance besser sein als der Durchschnitt und du kannst davon leben“. So. Und das traue ich mir zu. Da bin ich so selbstbewusst, weil ich in den zehn Jahren sehr viele Leute kennengelernt habe, bei denen ich gesagt habe „wie machst du das?“. Also wenn diese Leute davon leben können, dann kann ich das erst recht.
Viele Leute lieben ihre Komfortzone, machen sich da richtig schön breit und finden ihre persönliche Erfüllung vielleicht im privaten Bereich oder in Hobbys. Und für mich war auch mein Hauptargument, ich möchte einen Job machen, bei dem ich nie in Rente gehen möchte oder nie davon reden möchte, „bald gehe ich in Rente“.
Kompakt IHK:
Hast du Tipps, wie man als Neu-Selbstständiger Kontakt zu Kundschaft aufbaut?
Jonas Lang:
Natürlich sind meine Kunden alle Versicherungen, die Gebäude versichern. Da gibt es deutlich mehr, als man denkt.
Durch Kontakte habe ich vor Kurzem erst ein Vorstellungsgespräch bei der Hauptzentrale der VGH gehabt. Den Termin habe ich genutzt, um mich dort vorzustellen und denen ganz offen zu sagen, was mein Plan ist, warum und wieso, was meine Motivation ist, was meine jetzige Tätigkeit ist und was ich vorhabe.
Und die waren sehr begeistert: „Herr Lang, Sie haben sich genau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort selbstständig gemacht. Dort, wo sie ihr Unternehmen gegründet haben, haben wir einen weißen Fleck bezüglich Sachverständiger auf der Karte.“ Das ist also eine Riesenchance.
Kompakt IHK:
Also eine Mischung aus Glück und Bauchgefühl?
Jonas Lang:
Ein passendes Netzwerk ist wichtig. Ich möchte sehr nachhaltige Kontakte aufbauen, wo ich dann partnerschaftlich arbeite. Und diese Versicherung hat dann zum Beispiel einen Pool, also ein Portal, das mir automatisch Jobs zuspielt. Und es wird auch sehr systematisch gemacht. Und genau so möchte ich noch ein, zwei, drei Verbindungen zu Versicherungen aufbauen.
Ich möchte ganz klar erstmal langsam anfangen, weil ich ja auch erst mal die Seite wechseln muss. Auch gedanklich, sondern ganz klar sagen „Weg vom Dienstleister, von teuren, lukrativen Angeboten schreiben, hin zu runterkürzen und nur das Nötigste, was einem wirklich zusteht, um die Kosten zu sparen. Ich will nicht das schnelle Geld, sondern das erste Jahr habe ich so geplant, dass ich theoretisch keine Rechnung schreiben müsste.
Kompakt IHK:
Wunderbar, das klingt nach einem sehr strukturierten, zielstrebigen und nachhaltigen Vorgehen. Welche Hürden und Herausforderungen standen dir bei deinem Prozess in die Selbstständigkeit im Weg?
Jonas Lang:
Die größte Herausforderung war: Womit fange ich an – Domain, Handynummer, Firmenkonto? Was baut auf was auf? Ziel war es, dass ich so wenig wie möglich im Nachgang ändern muss.
Und die steuerlichen Themen. Also wichtig war mir, einen Steuerberater für eine Kapitalgesellschaft zu finden, der mich übernimmt und seriös ist. Da habe ich von allen Seiten gehört, wie groß diese Herausforderung ist.
Auf Empfehlung meines eigenen Steuerberaters habe ich den Kontakt zu einer Kollegin erstellt. Und das hat mir am meisten Ruhe gegeben. Denn ich wusste, meine steuerlichen Themen sind in guten Händen. Wie das nach dem ersten Jahresabschluss läuft, wird sich dann mit der Zeit ergeben.
Kompakt IHK:
Wie war für dich die Orga von uns des Lehrgangs? Und so hast du dann Vergleich? Oder was war da nochmal so ein Feedback insgesamt, die Orga?
Jonas:
Die Orga war sehr gut. Ich habe mich alle Tage wohlgefühlt und zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt, da hätte der Trainer Jochen sich ein bisschen besser kümmern können. Auf keinste Weise. Es hört sich doof an, aber wirklich Verbesserungsvorschläge habe ich nicht. Ich war wirklich zufrieden. Also diese eine Woche fand ich richtig gut und ich meine das auch ernst, dass ich das jedem auch weiterempfehle – egal in welcher Position und auch egal, ob die Leute vorhaben, der Unternehmensberatung zu arbeiten, aber allein um den Erfahrungsaustausch zu haben und auch so eine strukturierte Herangehensweise.
Ganz salopp gesagt: Einer Kassiererin oder einem Kassierer, der bei Aldi an der Kasse arbeitet, würde ich das auch empfehlen. Einfach, um mal zu verstehen, warum agiert mein Arbeitgeber so, wie er agiert.
Aber auch um selbst für sich weiterzukommen und zu entscheiden: „Diese Punkte laufen hier gut und diese Punkte laufen hier schlecht“. Und um den eigenen Arbeitgeber zu bewerten: „Ist das ein guter Laden oder ein schlechter Laden? Und was haben sie im Griff und wo haben sie Nachholbedarf?“ Allein dafür ist das Gold wert.
Kompakt IHK:
Wie wertvoll deine Einblicke für andere Neu-Unternehmer/innen sind, danke dafür! Wir bleiben gespannt und wünschen dir viel Erfolg!

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